Kyiv, Anfang September 2025 – Manchmal bestätigt sich eine Analyse schneller, als man es hofft. Und manchmal geschieht das mitten in der Nacht.
Als wir Anfang September 2025 auf dem Weg nach Kyiv waren, verschärfte sich die Lage spürbar. Russland behauptete öffentlich, Deutschland habe Taurus-Marschflugkörper geliefert.
Deutschland dementierte. Tage vorher begannen wir mit der systematischen Analyse und Auswertung der verfügbaren Daten. Die Indikatoren verdichteten sich rasch.
Für uns war klar: Die Wahrscheinlichkeit einer massiven russischen Offensive war hoch.
06. → 07.09.2025 – Zwischen Normalität und Ausnahmezustand
In der Nacht vom 6. auf den 7. September trafen wir Freunde. Wir feierten das Leben.
Und dass wir uns – gesund – wiedersehen konnten. Gegen 22:45 Uhr, auf dem Weg zur zweiten Bar, der erste Luftalarm. Wir ließen uns nicht die Stimmung nehmen. Der Abend endete mit herzlichen Umarmungen und dem Wunsch, sich bald wiederzusehen. In Deutschland ist das eine Floskel. In der Ukraine ist es ein Hoffen.
Seit dem 24.02.2022 wird dieses Land täglich angegriffen. Viele der Menschen, die wir kannten, die wir schätzten, die wir für ihre Art liebten, sind nicht mehr da.
Die Nacht
Auf dem Rückweg zum Hotel folgten weitere Luftalarme. Als wir ankamen, waren wir froh, ins Bett zu gehen – mit einem Gefühl, das schwer zu greifen war. Gegen 05:30 Uhr änderte sich alles. Der Lärm nahm zu. Sekunden später begann der größte Luftangriff seit Kriegsbeginn:
- über 800 Shahed-Drohnen
- 9 Marschflugkörper vom Typ Iskander-K
- rund 4 ballistische Raketen vom Typ Iskander-M
Eine dieser ballistischen Raketen schlug nur wenige Meter von unserem Hotel entfernt ein.
Sie traf das ukrainische Parlamentsgebäude.
Danach
Wir und unsere Freunde überstanden den Angriff unverletzt. Um 08:45 Uhr saßen wir bei strahlendem Sonnenschein draußen, tranken Kaffee – mitten in Kyiv. Normalität nach der Eskalation. Ein Bild, das sich einprägt.
Doch nicht alle hatten dieses Glück. In dieser Nacht verloren mehrere Menschen ihr Leben.
Dutzende wurden schwer verletzt.
Einordnung
In solchen Situationen ist Ruhe entscheidend. Man kann die Lage nicht kontrollieren –
aber das eigene Handeln. Kyiv im September ist eine wunderschöne Stadt.
Lebendig. Würdevoll. Widerstandsfähig. Wir haben Eindrücke mitgebracht. Nicht aus Sensationslust – sondern als Zeugnis.
Für Rückfragen stehen wir jederzeit zur Verfügung.























